Mein Freund der Gnom
Ich habe einen Neffen der heißt Alexander. Der hat einen Gnom zum Freund. Ich hätte es nicht geglaubt, aber ich habe den Gnom selbst gesehen. Es war kein schöner Anblick, aber gesehen ist gesehen. Ich glaube er kommt aus dem Land der Elfen, aber ganz sicher bin ich nicht. Natürlich wollte ich wissen, wie Alexander den Gnom kennen gelernt hat. Die Geschichte möchte ich euch erzählen, denn immerhin ist es ja keine alltägliche Sache, dass man einen Gnom kennen lernt, und sich sogar mit ihm anfreundet.Alexander ist kein allzu großer Sportler, aber manchmal überkommt es ihn und dann läuft er durch den Wald, dort wo er am dichtesten ist, und wo man mit Sicherheit keine Leute trifft. Er ist ein nachdenklicher Junge und manchmal sucht er die Einsamkeit um nachzudenken. Eines Tages, als er gedankenverloren durch den Wald lief, fühlte er, wie sein Fuß gegen etwas Weiches stieß. Ein haariges, braunes Etwas flog fauchend durch die Luft und landete einige Meter entfernt zwischen den Farnen.
Alexander blieb stehen. Er dachte er wäre aus Versehen auf ein Tier getreten und näherte sich ganz vorsichtig der Stelle wo es gelandet war. Aber was er sah verschlug ihm die Sprache. Ein hässlicher kleiner Gnom rappelte sich umständlich auf die Beine. Er zupfte an seinen schmutzigen Hosen herum und rotzte einen grünen Klumpen Rotz ins Moos. Dann funkelte er Alexander zornig an: „Ja bist du denn vollkommen bescheuert!“ Schrie er.
„Es tut mir leid“, stammelte Alexander. „Ich habe Sie nicht gesehen. Ich hoffe Sie haben sich nicht verletzt?“
„Das geht dich Trottel überhaupt nichts an. Bist du blind? Wozu hast du denn diese beiden hässlichen Schleimkugeln im Schädel?“
Der Anstand hielt Alexander davon ab, sich ebenfalls über das Aussehen des Gnoms zu äußern.
„Ich habe mich doch schon entschuldigt.“ Erwiderte er. „Es gibt keinen Grund mich so zu beleidigen.“
„Es gibt keinen Grund mich so zu beleidigen.“ Äffte ihn der Gnom nach, wobei er beim Sprechen immer leicht die Zungenspitze zwischen die Zähne steckte, so dass es wie ein Sprachfehler klang. „Du denkst, das wäre eine Beleidigung. Ich habe noch gar nicht angefangen dich zu beleidigen, du Matschbirne.“
Alexander schien es wenig sinnvoll diese Unterhaltung fortzusetzen. Wortlos drehte er sich um und wollte davon stapfen, aber das war dem Gnom auch nicht recht: „Feige Sau!“, keife er, „willst dich wohl einfach so aus dem Staub machen? Hosenscheißer!“
Da drehte sich Alexander wieder um und blickte dem Gnom in sein provokant grinsendes Gesicht. Inzwischen war er schon etwas verärgert und das schlechte Gewissen über den ungewollten Unfall war spätestens jetzt verflogen.
„Hör mal, du Zwerg“, knirschte Alexander, „wenn du so weitermachst werde ich ungemütlich.“
„Ich bin ein Gnom, du Volltrottel“, schrie der Gnom. „Du kannst nicht einmal zwei und zwei zusammenzählen. Du bist doof wie Stroh du debiles Erbsenhirn.“
Jetzt reichte es. Ich kenne Alexander als einen sehr ruhigen und höflichen Jungen, aber auch er hat seine Grenzen: „Was willst du ekliger Schleimpfropfen überhaupt von mir?“ Schrie Alexander jetzt zurück. „Du hast wohl einen Dachschaden, so wie du dich aufführst?“
Der Gnom schlug sich mit der flachen Hand auf die Stirn: „Du musst es ja wissen du Meister der Hirnkrankheiten. Auf deine Meinung lege ich sicher viel Wert, da frag ich lieber einen Hundehaufen.“
Jetzt wurde auch Alexander gemein: „So hässlich wie du bist, musst du froh sein wenn sich ein Hundehaufen überhaupt mit dir unterhält.“
„Ich bin hässlich?“ Gröhlte der Gnom. „Du hast wohl keinen Spiegel zuhause. Jede Eiterbeule auf meinem Hintern ist schöner als du!“
„Ja natürlich, deshalb versteckst du dich auch hier im Wald, du stinkender Schrumpfwurm!“
„Rotzfresser!“
„Buckliger Komposthaufen!“
So ging es noch eine gute Zeit hin und her, sie ließen wirklich nichts aus was es an guten und teuren Beleidigungen gab. Alexanders Kopf wurde immer röter, seine Stimme immer lauter und seine Ausdrücke immer heftiger. Aber auch beim Beleidigen sind der Phantasie Grenzen gesetzt und so geschah es, dass Alexander den Gnom zweimal hintereinander einen hirnamputierten Krötendreckfresser schimpfte.
Da verstummte der Gnom verzog sein Gesicht zu einem breiten Grinsen und schlug sich völlig unerwartet auf die Schenkel.
„So eine schöne Unterhaltung!“, brüllte er schallend. „Schon lange hatte ich keinen so schönen Streit mehr.“
Und er streckte Alexander die Hand entgegen. Dieser war verwundert über die unerwartete Wendung des Gespräches. Aber er war auch erleichtert darüber, dass der Gnom die Sache nicht ernst zu nehmen schien. Er drückte die Hand des Gnoms und beide brachen in schallendes Gelächter aus. Und so lachten sie gut zehn Minuten lang und nachher fühlte sich Alexander sehr erleichtert und fröhlich.
Seitdem treffen sich die beiden gelegentlich wenn ihnen danach ist an der dichtesten Stelle des Waldes und führen ein gepflegte Streitgespräch. Und manchmal reden sie auch über ganz etwas anderes.








